Das Seminar zum Bundesteilhabegesetz (BTHG) mit Zusatz

Das Seminar zum Bundesteilhabegesetz (BTHG) mit Zusatz

18. Februar 2019 Aktuell Teilhabeberatung Vereinsleben 0
Seminar zum Bundesteilhabegesetz (BTHG)

14. Februar 2019

Unsere öffentliche Veranstaltung zum Thema Bundesteilhabegesetz (BTHG) war mit über 70 Teilnehmern sehr gut besucht.
Sowohl Menschen mit Behinderungen, Angehörige und Interessierte als auch Vertreter von Wohlfahrtsverbänden, der Arbeitsagentur und des Landkreises und weiterer Beratungsstellen waren vertreten.

Eine besondere Herausforderung für unsere Referentin Frau Bruns – da jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin andere Fragen und Interessenlagen bezüglich des neuen Gesetzes hatte.
Dies meisterte unsere Referentin aber mit viel Hintergrundwissen, verständlichen Darstellungen und einer guten Portion Humor.

In ihrem Vortrag griff sie unter anderem folgende Themen auf:

  • Absichten des Bundesteilhabegesetzes
  • die Struktur der bisherigen und zukünftigen Zusammenarbeit zwischen Leistungsnehmer, Leistungsgeber und Leistungserbringer
  • Hintergründe und Zuständigkeiten im Teilhabeplanverfahren und im Gesamtplanverfahren
  • mögliche Hürden bei der konkreten Umsetzung des BTHG
  • Wunsch- und Wahlrecht
  • Entkopplung von Eingliederungshilfe und Leistungen zum Lebensunterhalt
  • Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben

Insgesamt erhielten die Anwesenden einen sehr gehaltvollen Vortrag der auch genügend Raum für Fragen zuließ.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern für die gelungene Veranstaltung.

Seminar zum Bundesteilhabegesetz (BTHG) 2
Die EUTB Zwickau hatten zur Assistenz zwei Gebärdendolmetscher mit.

Aus der Sicht eines Menschen mit Behinderung gesehen:

Ich fand die Veranstaltung als Mensch mit Behinderung rundweg gelungen.
Die Referentin Reingard Bruns hat es geschafft Betroffenen genauso wie Fachleute von Ämtern anzusprechen. Man hat auch als Betroffener verstanden um was es geht.
Ich hatte damals beim ersten lesen des Gesetzes viele Fragen.
Doch je mehr ich las umso mehr Fragezeichen zeigten sich bei mir.

Fragezeichen als Vereinsvorsitzender, Fragezeichen als Mitglied im Beirat für Menschen mit Behinderung und eben Fragezeichen als Mensch mit Behinderung. Denn dort tauchen Worte auf, die in dem Themenkreis neu sind:

  • Selbstbestimmung,
  • Wunsch und Wahlrecht,
  • Einzelfallbegutachtung,
  • Teilhabeplan und Teilhabeplanverfahren.

Die Rechtsanwältin bezeichnete das Bundesteilhabegesetz als ein Monster von einem Gesetzeswerk.
Dass es sehr umfangreich und komplex ist wusste ich vom ersten Lesen beziehungsweise vom Lesen der vielen Kommentare im Internet.
Doch als sie uns dann eine Liste mit 25 Änderungen fast aller Sozialgesetzbücher präsentierte und dann im laufe des Vortragens herauskam, dass Manches von Bundesland zu Bundesland verschiedenen gehandhabt wird, dann fragt man sich als Mensch mit Behinderung schon: “Wissen die, die für mich verantwortlich sind das alles?” Daran ändert auch nichts, dass das Ganze in vier Stufen verläuft: Reformstufe 1 (2017), Reformstufe 2 (2018), Reformstufe 3 (2020), Reformstufe 4 (2023).
Die Antwort der Rechtsanwältin war ziemlich pessimistisch.

Zusatz 19.2.2019

Wenn ich mir das Sozialamt vom Vogtlandkreis ansehe ist mir nicht bange. Ich habe am Dienstag einen Vortrag von Herrn Schneider, Streetworker und Sachbearbeiter, der von Wissen und Sachkenntnis bei diesem Thema getragen war.  
Und zwar Praxisnah,

Ich finde gut ist, dass der Betroffene, der Mensch mit Behinderung in einen Teilhabeplan und besonders das Teilhabeplanverfahren mit Einbezogen werden muss und die Einzelfallbegutachtung gilt.
Bisher hat man Bausteine für Leistungen angeboten.

Ich habe verstanden, dass die Eingliederungshilfe nicht einfach vom SGB XII in das SGB IX wandert, sondern dass sie von einer auf Einrichtungen bezogenen zu einer personenbezogenen Teilhabeleistung wird.

Ich habe auch verstanden, dass der Behinderungsbegriff wesentlich geändert wurde und damit ändert sich unter anderem auch der Leistungsberechtigte Personenkreis.

In Sachsen gibt es laut Statistischem Landesamt rund 406000 Schwerbehinderte (2017). In die Feststellung des Unterstützungsbedarfs gehen jetzt solche Lebensbereiche ein wie: Lernen und Wissensanwendung, Mobilität, Selbstversorgung, häusliches Leben, interpersonelle Interaktionen und Beziehungen, Gemeinschafts-, soziales und staatsbürgerliches Leben.

Aber die Feststellung des berechtigten Personenkreises braucht Fachleute. Denn es geht jetzt um die Fähigkeit zur Teilhabe an der Gesellschaft die durch Schädigung der Körperfunktion und -struktur, einschließlich der geistigen und seelischen Funktionen und die dadurch in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren  in erheblichem Maße eingeschränkt wird.

Und das scheint die andere Seite der Medaille zu sein.

Steffen Marquardt

Der Dank des Vorstands geht an unsere Mitarbeiterinnen Stefanie Wolf, Franziska Borck und Christine Reinhold, die das Seminar organisiert haben.
Und selbstverständlich an Frau Bruns für den lebendigen Vortrag.

Seminar zum Bundesteilhabegesetz (BTHG) - Unsere Mitarbeiterinnen Franziska Borck und Stefanie Wolf, Christine Reinhold ist hier nicht im Bild hörten genau zu.
Unsere Mitarbeiterinnen Franziska Borck und Stefanie Wolf, Christine Reinhold ist hier nicht im Bild hörten genau zu.
Rechtsanwältin Reingard Bruns
Rechtsanwältin Reingard Bruns

Der Link zum BTHG

 

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