Zur Sache: „erworbene Hirnschädigung“

Eine Hirnschädigung trifft den Menschen immer unvorbereitet und plötzlich.

Von einem Tag auf den anderen ändert sich das Leben aufgrund eines Schlaganfalls, schweren Schädel-Hirn-Traumas oder der Diagnose eines Hirntumors.

Allein im Vogtlandkreis sind pro Jahr rund 1200 Menschen betroffen, darunter auch immer mehr junge Menschen.

Erworbene Hirnschäden

… können durch traumatische Ursachen, also durch mechanische Traumata (Schädel-Hirn-Traumata), und durch nichttraumatische Ursachen wie Schlaganfälle, zerebrale Blutungen, Hirninfarkte, hypoxische Schädigungen des ZNS in Folge eines Kreislaufstillstandes (z. B. Herzinfarkt), durch Hirnentzündungen, sogar durch progrediente Hirnerkrankungen entstehen. Der Begriff erworbener Hirnschaden ist ebenfalls ein Sammelbegriff für nach Art, Schwere, Ursache und Verlauf sehr unterschiedliche Schäden, die nach der Geburt, überwiegend im Erwachsenenalter, eingetreten sind.


Eine Hirnschädigung kann sich je nach Zustandsbild auf viele Bereiche des Lebens auswirken und muss außerdem immer im Kontext eines biografischen, sozialen, kulturellen und materiellen Hintergrundes gesehen werden

Arbeitsgruppe Teilhabeforschung (1)

  • Eine erworbene körperliche Einschränkung wird erlebt, der Umgang muss gelernt und in der Realität erprobt werden können, um ein neues Selbstverständnis und neue Lebensperspektiven entwickeln zu können
  • Regelmäßige soziale Kontakte außerhalb des medizinisch-therapeutischen Umfeldes sind dafür enorm wichtig.
  • Zudem ist nicht nur die hirngeschädigte Person betroffen, sondern die Erkrankung hat ebenso weitreichende Folgen für die Familie und das Lebensumfeld des Betroffenen.
  • Bereits in der Akutphase der Hirnschädigung treten bei den Angehörigen viele Fragen auf, die auch durch Mediziner oder Fachkräfte der klinischen Sozialdienste nicht immer ausreichend beantwortet werden können.

Ebenso bedarf es auch einer langfristigen Sensibilisierung der regionalen Öffentlichkeit für die Belange von Menschen mit erworbenen Hirnschädigung und Behinderung besonders im Hinblick auf die demographischen Veränderungen in der Region.

Diese Fakten werfen tausende Fragen auf.


.

Antworten auf diese Fragen können sie in den Selbsthilfegruppen und dem Verein finden.

Und auch im neuen Beratungsangebot:

Das Logo der Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales

Unabhängige Beratung für Menschen mit Behinderung, Angehörige und Interessierte

weiterlesen:

Häufig erleben Menschen mit erworbener Hirnschädigung ihre eigene Persönlichkeit wie einen zerschlagenen Spiegel.
Sie schauen hinein und erkennen sich selbst nicht wieder. Wut, Ärger, Enttäuschung, Verunsicherung, nicht wahr haben wollen, sich aufbäumen, depressiv oder aggressiv werden …
Die Bandbreite der Krankheitsverarbeitung und die Komplexität möglicher Probleme erscheint unendlich groß.Mit der Verletzung und Schädigung des Gehirns ist nämlich die zentrale Instanz betroffen, in dem alle menschlichen Eigenschaften, wie Persönlichkeit und Ich-Erleben, Fähigkeiten,Selbstreflexion, Genuss, Schmerz, Liebesfähigkeit, Denken, Fühlen, Empfinden, Intelligenz,Wissen, Gedächtnis, Pläne-schmieden- Können usw. verankert sind. „Bin ich jetzt ein ‚Depp‘geworden“?
Nicht selten steckt diese Angst ganz tief in den betroffenen Menschen: Wer bin ich jetzt?

(Susanne Haug Akademie Schönbrunn

Seidel, M. (2013). Geistige Behinderung und erworbene Hirnschäden – was sind die Unterschiede? In M. Seidel (Hrsg.): Menschen mit erworbenen Hirnschäden – (keine) Randgruppe in der Behindertenhilfe?! Dokumentation der Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für seelische Gesundheit bei Menschen mit geistiger Behinderung e. V. am 16.3.2012 in Kassel (S. 11-19).

(1) (Arbeitsgruppe Teilhabeforschung des Ausschusses „Reha-Forschung“ der Deutschen Vereinigung für Rehabilitation (DVfR) und der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW) (2011). Diskussionspaper Teilhabeforschung (Version 16, Stand: 15.11.2011).