Zur Sache: „erworbener Hirnschaden“


Eine Hirnschädigung trifft den Menschen immer unvorbereitet und plötzlich.

Von einem Tag auf den anderen ändert sich das Leben aufgrund eines Schlaganfalls, schweren Schädel-Hirn-Traumas oder der Diagnose eines Hirntumors.

Allein im Vogtlandkreis sind pro Jahr rund 1200 Menschen betroffen, darunter auch immer mehr junge Menschen.

Eine erworbene körperliche Einschränkung wird erlebt, der Umgang muss gelernt und in der Realität erprobt werden können, um ein neues Selbstverständnis und neue Lebensperspektiven entwickeln zu können

Regelmäßige soziale Kontakte außerhalb des medizinisch-therapeutischen Umfeldes sind dafür enorm wichtig.

Zudem ist nicht nur die hirngeschädigte Person betroffen, sondern die Erkrankung hat ebenso weitreichende Folgen für die Familie und das Lebensumfeld des Betroffenen.

Bereits in der Akutphase der Hirnschädigung treten bei den Angehörigen viele Fragen auf, die auch durch Mediziner oder Fachkräfte der klinischen Sozialdienste nicht immer ausreichend beantwortet werden können.

Symptome  (Krankheitszeichen) und Störungsbilder erworbener Hirnschäden

Dabei handelt es sich insbesondere um:

  • Lähmungen
  • Störungen des Schluckreflexes
  • Sprachstörungen und Sprechstörungen
  • Störungen kognitiver Funktionen (menschliches Denken, die Wahrnehmung, das Fühlen, das Urteilen, das Wollen und das Handeln (Stangl, 2012).
  • Neglect (Wahrnehmungsstörungen das Sehen betreffend)
  • Epileptische Anfälle
  • Antriebslosigkeit
  • Störungen der Impulskontrolle (z.B. zwanghaftes Waschen), Aggressivität
  • Veränderungen der Persönlichkeit
  • Chronische (Unaufhörliche, immer wieder auftretende) Schmerzen

Eine Hirnschädigung kann sich je nach Zustandsbild auf viele Bereiche des Lebens auswirken und muss außerdem immer im Kontext (Zusammenhang) eines

  • biografischen,
  • sozialen,
  • kulturellen und
  • materiellen

Hintergrundes gesehen werden
(1)

Was heißt das?

Biografischer Hintergrund heißt: Den Betroffenen selbst betreffend und seine gesamten Beziehungen mit seiner Umwelt, auch in der Vergangenheit.

Sozialer Hintergrund heißt: Die die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben betreffend, auch in der Vergangenheit.

kultureller Hintergrund heißt: Darunter versteht man den Einfluss, den die Kultur auf einen hat, in der man aufgewachsen ist.

Materieller Hintergrund beschreibt:  unter anderem die finanzielle Ausgangssituation sowie Höhe des Einkommens, finanzielle Reserven und Versicherungen aber auch den möglichen Leistungsumfang je nach Art des Leistungsträgers (z.B. Berufsgenossenschaft oder Pflegekasse).

Ebenso bedarf es auch einer langfristigen Sensibilisierung der regionalen Öffentlichkeit für die Belange von Menschen mit erworbenen Hirnschädigung und Behinderung besonders im Hinblick auf die demographischen Veränderungen in der Region.

Diese Fakten werfen tausende Fragen auf.



Antworten auf diese Fragen können sie in den Selbsthilfegruppen und dem Verein finden

Das Logo der Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales

Und auch im neuen Beratungsangebot:
Unabhängige Beratung für Menschen mit Behinderung, Angehörige und Interessierte

weiterlesen:

Häufig erleben Menschen mit erworbener Hirnschädigung ihre eigene Persönlichkeit wie einen zerschlagenen Spiegel.
Sie schauen hinein und erkennen sich selbst nicht wieder. Wut, Ärger, Enttäuschung, Verunsicherung, nicht wahr haben wollen, sich aufbäumen, depressiv oder aggressiv werden …
Die Bandbreite der Krankheitsverarbeitung und die Komplexität möglicher Probleme erscheint unendlich groß.Mit der Verletzung und Schädigung des Gehirns ist nämlich die zentrale Instanz betroffen, in dem alle menschlichen Eigenschaften, wie Persönlichkeit und Ich-Erleben, Fähigkeiten,Selbstreflexion, Genuss, Schmerz, Liebesfähigkeit, Denken, Fühlen, Empfinden, Intelligenz,Wissen, Gedächtnis, Pläne-schmieden- Können usw. verankert sind. „Bin ich jetzt ein ‚Depp‘geworden“?
Nicht selten steckt diese Angst ganz tief in den betroffenen Menschen: Wer bin ich jetzt?

(Susanne Haug
Akademie Schönbrunn

Seidel, M. (2013). Geistige Behinderung und erworbene Hirnschäden – was sind die Unterschiede? In M. Seidel (Hrsg.): Menschen mit erworbenen Hirnschäden – (keine) Randgruppe in der Behindertenhilfe?! Dokumentation der Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für seelische Gesundheit bei Menschen mit geistiger Behinderung e. V. am 16.3.2012 in Kassel (S. 11-19).

Stangl, W. (2012). Stichwort: ‚kognitive Funktionen‘. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.

WWW: http://lexikon.stangl.eu/5461/kognitive-funktionen/ (2019-01-20))

(1) (Arbeitsgruppe Teilhabeforschung des Ausschusses „Reha-Forschung“ der Deutschen Vereinigung für Rehabilitation (DVfR) und der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW) (2011). Diskussionspaper Teilhabeforschung (Version 16, Stand: 15.11.2011).